Die Oste, der stille Fluß

Letztes

Update

12.03.2014

©

Wo die Oste in eine stille Welt entführt

Eine Familien-Kanufahrt von Brauel bis nach Ober Ochtenhausen.
Von Grit Klempow

Auf dunkel schimmerndem Grund liegt es im
Wasser, zu Füßen der Familie. Es ist die erste
hautnahe Begegnung mit einem Kanu und mit
dem Wasser der Oberen Oste, die hier leise,
schmal und behutsam dahin fließt. Aber sie
fließt, ganz eindeutig – das Paddel, das gerade
über Bord gegangen ist, schwimmt mit
der Strömung fort. Richtung Bremervörde.

Der spontane und beherzte Einsatz des
väterlichen Familienvorstands rettet das Paddel,
die Kanu-Tour der Familie Klempow von Brauel
bis hinunter nach Ober Ochtenhausen beginnt.

Die Oste führt wenig Wasser an diesem Tag. Bis auf das sandige Flussbett blicken die drei Wasserwanderer. In engen Kurven schlängelt sich die schmale Oste, zwischen hohen Böschungen, auf denen Wohnwagen und Vorzelte thronen, die ihren Bewohnern beste Sicht über das Geschehen auf dem Wasser bescheren. Viel tut sich hier nicht, die drei Kanu-Insassen sind noch viel zu erschreckt ob der Leichtigkeit, mit der das Gefährt aus der Balance gerät. Vorsichtig tauchen Eltern und Sohn die Paddel ein, testen aus, wie sich der schmale Untersatz am besten steuern und in Schwung bringen lässt.

Die Obere Oste: Sanft fließt sie dahin.
Kurz hinter der Einstiegsstelle in Brauel ist sie
an diesem Tag sehr flach, aber befahrbar.

Den Bogen haben die Drei schnell raus – glücklicherweise. Denn Drei in einem schmalen und schwankenden Boot, Bewegungen, die abgestimmt, Äste und Zweige auf dem Flussgrund, die umschifft werden müssen, enge Kurven und flache Ufer bergen reichlich Streitpotenzial und Anstößiges – auch für ein eingespieltes Familienteam.

Das Kanu im ruhigen Fluss,
vorbei an grünen Böschungen,
den ersten Engpass in Sichtweite.

Ob sich die Dauercamper über unbeholfene Paddelversuche amüsieren? Wahrscheinlich nicht. Der leise Nieselregen verbannt mögliche Beobachter in Wohnwagen und Vorzelte.

So bleibt es aber friedlich auf dem dunklen
Wasser, der Campingplatz bleibt zurück,
die Familie ist allein auf weiter Flur unterwegs.
Helle Flecken warnen vor Sandbänken,
Weiden tauchen ihre Zweige tief ins Wasser,
mächtige Bäume beugen sich schräg über
den Flusslauf, Äste mit grünen Algen ragen
über die glitzernde Wasseroberfläche.

Der Regen
trifft auf die
Wasseroberfläche,
ein leichtes Sirren
liegt in der Luft.
Trotzdem macht
der Regen die Oste
an diesem Tag zu
einem entrückten
fließenden Band -
außer der
paddelnden Familie
ist kaum jemand
zu sehen.

Dichtes Grün rahmt die Oste ein,
die hier zwischen Zeven und Bremervörde
die stille Kraft nur andeutet, die sie
als Tide-Oste mit Ebbe und Flut
ab Bremervörde entfaltet. Stetig
und behutsam fließend nimmt sie
die Wasserwanderer ein Stück
mit auf ihrem Weg.

Plötzlich hallen Schüsse vom
nahen Militärgelände in Seedorf herüber –
und verklingen wieder.

Die Wassermühle Eitzmühlen taucht auf. An
diesem Tag geschlossen, sonst gern und viel
besuchtes Landfrauen-Café.

Nur das verhaltene Gurgeln des Flusses, der zwischen den freigespülten Wurzeln der knorrigen und mächtigen Eichen hindurch strömt, das leise Plätschern der eintauchenden Paddel sind jetzt noch zu hören. Das flache Wasser und die hohe Böschung schließen die Welt aus, die drei Kanuten sind allein mit dem Fluss. Fast allein: Vögel mit gelbem Brustgefieder flattern dem Kanu vorweg um die nächste Biegung, Blüten im Grün der Böschung geben gelbe, blaue und violette Farbkleckse ab.

Tief hängen die von Regen
beschwerten Zweige und
streichen beim Durchfahren
die Tropfen auf den Rücken
der Wasserwanderer ab.

Mal geht es unter dichtem Laub
der Bäume hindurch, mal zeigt sich
der dunkelgraue Himmel.

Leichter Nieselregen fällt sirrend
aufs Wasser. Weidenzweige streichen
den Paddlern über die geduckten Rücken.

Ein Angler rechts am Ufer ruft einen leisen Gruß herüber. Kurz vor dem Haltepunkt Godenstedt schallen Stimmen um die Flussbiegung. Ein Trupp holländischer Soldaten durchpflügt den Flusslauf zu Fuß, bis zum Gürtel im Wasser, mit fröhlichen Gesichtern und nettem Gruß. Fünf Kilometer sind beim Haltepunkt Godenstedt geschafft, zweieinhalb Kilometer später passiert die Familie die Wassermühle in Eitze und umschifft mittlerweile ausgesprochen souverän eine Horde von Schülern in Kanus.

Zwischenstopp an der
Einstiegstelle Granstedt.
Eine Pause vor
der letzten Etappe.
Constantins Piraten-Kopftuch
ist längst durchnässt.

Kurz vor Rockstedt scheucht die
Besatzung des roten Kanus
ganz ungewollt zwei Reiher auf.

Nach etwa zweieinhalb Stunden
Flusstour merkt Sohnemann
zum ersten Mal gewisse
Sitz-Schwierigkeiten an
(„Jetzt tut mir der Hintern echt weh“).

Das Ziel in Sicht:
Die Schautafel macht auf die Ein-
und in diesem Fall Ausstiegsstelle
Ober Ochtenhausen aufmerksam.

Aufgrund schwankender
Argumente und anhaltenden
Regens verzichten die
paddelnden Wanderer dennoch
auf einen wackligen Ausstieg
am nächsten Haltepunkt,
der wie alle anderen gepflegt,
sauber und einladend für eine
Pause auf festem Boden wirkt.

Das Gefährt ist wieder an Land.

Das letzte Stück der Kanu-Premieren-Tour ist auch das längste: 6,5 Kilometer auf der sich jetzt wieder in vielen sanften Windungen biegenden Oberen Oste. Der anhaltende Regen gibt Auftrieb, der Pegel scheint zu steigen, die Strömung nimmt zu, die Familie erhöht das Tempo. Die Brücke am Haltepunkt Ober Ochtenhausen taucht auf. Die Fahrkünste erlauben nach dreieinhalb Stunden fast allein auf dem Fluss jetzt sogar ein ausgefeiltes Anlegemanöver. Das knallrote Kanu liegt wieder an Land. Die Oste aber strömt weiter und immer stärker, nach Sandbostel und Bremervörde. Hin zum Meer.

Die Hinweistafeln mit Verhaltensregeln
begleiten die Wasserwanderer auf
der Oberen Oste. Die Rücksicht auf die Natur ist ein Muss - und nur dann ist der Fluss der wunderbar stille Begleiter, der die paddelnde Familie ein Stück Richtung Mündung mitgenommen hat.

Hier endet die “Paddeltour” der
Familie Klempow.
Ein herzliches Dankeschön an Grit Klempow für diesen wunderbaren Bild- und Textbeitrag für unsere OsteChronik, den ich in Szene setzen durfte. Weiter geht es jetzt mit Tipps für Kanufreunde!

Die Obere Oste von Sittensen (ganz rechts am Kartenrand) bis Bremervörde
ist ein beliebtes Ziel für Wasserwanderer. Die Strecke mit rot umrandetem Ufer
zwischen Sittensen (die Ortschaft am rechten Rand der Karte) und Volkensen
darf aber vom 1. März bis 15. Juli nicht befahren werden. Dringend wird empfohlen,
den Fluss erst ab Brauel (bei Zeven) zu befahren,
weil die Oste zuvor meist zu wenig Wasser führt.
Für das "grüne Ufer" zwischen den Ein- und Ausstiegspunkten
Granstedt und Ober Ochtenhausen gilt die freiwillige Selbstbeschränkung,
das Ufer in diesem Gewässerabschnitt nicht zu betreten.

Goldene Regeln: Paddeln nur
mit Rücksicht auf die Natur.

 Oberste regel beim Wasserwandern ist unbedingt die Rücksicht auf Tiere und Pflanzen. Die Oste zum Beispiel gilt im Oberlauf mit ihren Seitenbächen als bedeutender Fließgewässerkomplex der Niedersächsischen Geestlandschaft. Die Osteaue ist ein vielfältiges Mosaik besonders geschützter Lebensräume wie Uferhölze, Hochstaudensäume, Röhrichte, Feuchtwiesen und Auwälder. Für viele seltene Tierarten wie Gebirgsstelze, Eisvogel, Fischotter oder Libellen ist der Fluss Lebensraum, Brut- und Nahrungsgebiet.

Folgendes müssen
Wasserwanderer beachten:
- Vor Fahrtantritt den
aktuellen Pegelstand
(rot-grün-rot-Pegel)
abfragen, unter
www.tourow.de
"Pegelstand Oste" oder unter
04261/81960.
Bei "rotem Pegelstand"
(Hoch- und Niedrigwasser)
ist das Wasserwandern
nicht möglich.

- Die Ruhezeiten für Tiere
sind zu respektieren
- damit gilt: Die Oste sollte nur
zwischen 9 Uhr   und Einbruch
der Dunkelheit befahren werden.
- Nur die ausgewiesenen Ein- und
Ausstiegsstellen benutzen, niemals
Böschungen hinunter rutschen.
- Auf dem Wasser sollten sich
Wasserwanderer leise verhalten,
um Tiere nicht zu stören.
- Auf gerader Strecke muss in der
Mitte, in Flussbiegungen in der
Außenkurve gefahren werden.
- das Boot sollte nur so lang sein,
dass es ohne Berührung
des Ufers wenden kann.

Kanu-Touren sind nicht
nur auf der Oste sondern
zum Beispiel auch auf der
Medem bei Otterndorf oder
auf der Este möglich.

Hier ein Überblick über
Kanuverleiher für die Oste
Die Preise liegen zwischen etwa
20 und 30 Euro pro Tag, je nach
Größe des Gefährts. Meist gehört
eine wasserfeste Gepäcktonne
zur Ausstattung:

Sven Tolksdorf, Groß Meckelsen, Tel.: 0160 / 99104942
(Web-Tipp:
www.exodus-abenteuer.de )

Oste und Wümme: Kanuwelt Elsdorf, Tel.: 04286 / 1398
(Web-Tipp:
www.kanuwelt.de )

Ansprechpartner für Oste und Wümme

Hans-Jürgen Rutner, Lauenbrück, Tel.: 04267 / 1543,

Nils Feddersen, Rockstedt, Tel.: 04284 / 926242.
 

Kanuverleiher im Elbe-Weser-Dreieck

Kanu & Kajakhandel, Kanu & Kajakverleih,
Kanu & Kajaktouren zwischen Elbe & Weser

Kanu- und Bootsverleiher an den Elbe-Nebenflüssen

Active-Fun-Sports, der mobile Kanuverleih.
Wir organisieren Kanutouren, Betriebsausflüge, Klassenfahrten, Clubtouren
oder Singlestouren zwischen Ostfriesland, Oldenburg und Bremen.

Das Regental - ein Kanuparadies in Ostbayern
Regental-Kanu - der Kanuverleiher in Ostbayern

Kanu-Verein Unterweser Bremerhaven

“THE UNBEATABLES”  Outrigger-Team-Germany

Text dieser Seite: Grit Klempow,
Fotos dieser Seite:
Grit Klempow, Rüdiger Lubricht und Hermann Tödter

nach oben

Besucher seit 04.07.2005

[Besucherzähler]

 

Home OsteChronik Team Osteschifffahrt Kleinod der Osteregion Elbe-Weser Links Das Kloster Porta Coeli
Sagen & Märchen Die Madonna von Bossel OsteGalerie Das alte Oldendorf St. Martins Kirche
Wracks der Oste Zeitzeugen Kanuparadies Oste Geschichtsspuren OsteKunst Annas Spuren Elke Loewe
Rainer Brandt Alter Handelsplatz Osten Schwebefähre Osten Hafenerinnerungen Stalag XB Sandbostel
Strom der Dichter Bossel in den Kriegen Erster Weltkrieg Zweiter Weltkrieg Zwergschule in Bossel

Texte und Bilder sind in allen Teilen urheberrechtlich geschützt
Pagedesign, copyright 2005-2010 by Hartmut Jungclaus, OsteCronik.de