Die Oste, der stille Fluß

Letztes

Update

12.03.2014

©

Das Kleinod an der Oste
Rätselhaftes rund um die Kirche von Burweg-Horst
Text & Bilder von Dietrich Alsdorf

Sie ist unbestreitbar eine der schönsten Kirchen des Landkreises, die altehrwürdige Feldsteinkirche von Burweg-Horst.

Einmalig idyllisch an der Oste gelegen, bietet sie mit ihrem alten romantischen Kirchhof dem Besucher nicht nur Ruhe und Meditation abseits der Hauptstraßen, sondern bei genauer Betrachtung etliche kleine Rätsel, die ein Licht auf die besondere Eigenart der Osteregion werfen.

Liegt idyllisch im Ostetal:
die mittelalterliche Feldsteinkirche von Burweg-Horst.

Die Neuankömmlinge schufen über Generationen hinweg in harter Arbeit ihr eigenes Kirchspiel mit den Orten Burweg, Blumenthal, Breitenwisch, Seemoor, Burg, Engelschoff und Wasserkrug. Nicht wenige von Ihnen brachten es später zu Wohlstand. Ein Reichtum, der sich heute noch auf manchen, kunstvoll gearbeiteten Grabsteinen auf dem Kirchhof von Horst dokumentiert. Wieder andere fuhren zur See, gingen vor Grönland auf Walfang.

Rätselhaft ist zunächst schon mal das Alter der Kirche. Bauhistoriker schätzen, dass der Feldsteinbau um etwa 1200 entstand. Zu einem Zeitpunkt also, als die feuchte Osteniederung nördlich und westlich von Himmelpforten unter holländischer Beteiligung kultiviert und besiedelt wurde. Ihre kleine Kirche bauten die Siedler auf einer trockenen Sandinsel, der “Horst”, nahe der Oste und weihten sie St. Petrus, dem Schutzheiligen der Schiffer und Seefahrer.

Delfine oder Seeungeheuer?
Pastor Eckhard Krol zeigt den
Grabstein von Peter Jarck.

So vielleicht auch vor 250 Jahren ein Peter Jarck aus Wasserkrug. Zumindest künden zwei stilisierte “Seeungeheuer” oder auch nur Delfine auf seinem Grabstein von einer maritimen Verbindung.

Gleich vier Grab- und Gedenksteine stiftete er für den Horster Kirchhof. Noch heute gibt uns der Stifter, in Stein gehauen, den denkwürdigen Spruch mit auf den Weg:
“Lieber Mensch stehe still und tu dies lesen - was du bist, das bin ich gewesen.” Peter Jarck ließ die Steine für sich und seine Frau schon zu Lebzeiten setzen. Wohl wissend, dass seine Erben wohl eher knauserig waren.

Denn - die Sterbedaten von Peter Jarck und seiner Frau auf den Grabmälern sind noch frei! Bis heute!

Einfachheit bestimmt auch heute das Innere der Kirche.
Hier gab es offenbar keine adligen Familien, die für ihr Seelenheil prunkvolle Ausstattungen stifteten, wie wir es aus anderen Kirchen der Umgebung kennen. Dafür blieben dem Gotteshaus aber auch entstellende Umbauten erspart. Durch 17 Farbschichten haben sich kürzlich Fachleute geschabt, um sich auf die ursprüngliche, eierschalenfarbene Bemalung des Innern voranzuarbeiten.

Auch wurden uralte Ausstattungsstücke bewahrt, die bei anderen Kirchen längst auf dem Müll gelandet wären, wie das urtümliche schmiedeiserne Schloss der Brauttür, was übrigens immer noch funktioniert, oder ein Opferstock aus dem 17. Jhd., in dem einst die Kirchgänger ihren Obolus entrichteten.

Selbst die “tugendsame” Anna Hintmann (heute Hintelmann) wäre längst vergessen, hätte sie nicht 1699 zum Gedächtnis an ihren Ehemann Tonnis die Tür des Hauptportals gestiftet.

“Bitte eintreten” -
Pastor Eckhard Krol
am Hauptportal der Kirche.
Die Tür wurde 1699 gestiftet.

Die erste Glocke der Kirche allerdings, 800 Jahre alt, klingt längst nicht mehr im Turm. Sie wurde 1912 an das Museum in Lüneburg verkauft. Dafür kam vermutlich vor einigen Jahren erst der mittelalterliche Taufstein nach einer Odyssee zurück. Rätselhaft für Pastor Eckhard Krol, seit 1999 im Amt, ist jedoch, wann und wie der wuchtige ausgehöhlte Findlingsblock zurück in die Kirche fand.

Text & Bilder von der Kirche:
Dietrich Alsdorf

Rätselhafter Taufstein:
Wann fand er den Weg zurück in die Kirche?

De Riesendiern an de Ost'.

Die Sage um die Entstehung der Horst

haben Lehrer Düvels Schüler noch im Unterricht gelernt. Heinrich Hellwege aus Burweg-Horst hat die plattdeutsche Fassung für die OsteChronik wiederentdeckt und für das schöne Klassenfoto aus dieser Zeit bedanken sich die OsteChronisten bei Burkhard Düvel aus Burweg.

Lehrer Düvel (ganz rechts) mit seinen Schülern

Bi'n “Swarten Barg”, wo nu de Stadt Stad' liggt, wahn in ol'n, ol'n Tied'n en Ries' mit Froo un Kinner. Wat den Riesen sin Jungs weern, de müss'n mit jümmen Var uppe Jagd un in'n Holt de wille Tiern to liew gahn. De Dierns awers seten bi ähr Mutter un spünn'n Winterdags. Bloß de jüngste Diern von acht Jahr späl noch mit ähr Popp oder mak sick annern Tiedverdriev. Wenn'r Snee leeg, denn boo se sick in'n Hoff woll'n Sneekierl ans'n Karktoorn grot; denn dat wier ja'n Riesenkind.

Enmal Vörjahrsdag, ans de kohle Winter eben updaut weer un de lütt'n Spreen weller keemen, kunn de Diern dat ganz un gor nich mihr in'n Hus utholn. “To, Mor,” quäl se ähr Mutter, "Schall ick man'n bet'n öbert Feld gahn un Blom'n plücken?" - find'n sünd, wenn de Winter eben Adjüs seggt het!" - "Ja, Mor, Maiblom bleiht ok unnern Snee; de sünd'r all!" - “Minenwegen,” sä de Mutter, “Denn man to!” - Awer ierst bünd ähr Mutter de Riesendiern noch'n reinen Platen vör, wisch ähr de Näs aw un wahrscho: “Dat da di awers nich glieks so weller toracks; anners giwt dat wat!” - “Nähä, Mor,” anter ähr Dochter, un do löp s' na buten.

Awer väl Blom'n wörn'r würklich noch nich wies to warn; bloß strichwies en lütte Maiblom'n, dat weer alles. Öwer de Tög löp de Riesendiern jümmers wieger von Hus aw, un batts, do stün's vör'n breeden Fluß. Dat weer de Ost', de dör uns leew Stader Land flütt un dor bi Heckthusen to Marsch angeiht. Vör de Riesendiern wör awer de Ost' nich mihr ans'n gadlichen Grawen. Un ans se up güntsiet enen witten Sandbarg up'n Kieker kreeg, do hülp dat nich, se müsser röwer. Ierst hal se'n düchtigenToloop, un denn sett se d'r röwer, dat ähr de Haar up'n Kopp fleit'n. O, wat för witt Sand! Dar künn se önnig Koken von backen. Vull Freid'n klopp se in beide Han'n, dat dat in'n Westerbarg to hürn weer. Denn awer güng se gau in 'ne Huck, spree ährn Plat'n ut un rak em vull, hest du, wat kannst du!

Mittelwiel wör ähr Mutter awers Tied un Wiel lang worrn, dat “de Lütt” gor nich weller keem. Un jüß weer de Diern mit ährn Schot vull Sand weller inne Höchd kamen, do stünd de Mutter all up de anner Sied, droh ähr mit de knullte Fust un reep: “Verdreihte Diern, wat deihs du öwer de Ost'!” - O, wat verfehr sick de Diern! Gau fat se de beiden Platentimpen stramm mit de rechte Hand, swunk mit'n linken Arm däftig achter ut un sett aw, dat se man weller öwer de Ost' keem. Dat glück ok woll soveel. Awers o weh! Von den Gnuck un de furchtbare Dracht kreeg de schöne platen enen groten Gatz - un all dat schöne Sand pudder in den Ostenslamm. De Diern füng an to dröhn' un to blarrn; doch wat hulp dat all! Dat Sand wör hin un de Platen ok. Un denn, wat de Riesenmutter mit ähr Parr von Gör upstellt hat, dat geiht uns wieger nicks an.

De Platen vull Sand awers liggt dar an de rechte Sied von 'ne Ost' bet up dissen Dag un heet “de Host”. Ans naher uns' Vörfahrn, de ol'n Sassen, int Lans keemen, boo'n se sogar Hüser un'n Kark “uppe Horst”.

         von J. Rathje

Dietrich Alsdorf hat diese Geschichte ins Hochdeutsche übertragen
auf der Seite Sagen & Märchen

Drei rüstige Senioren, Zeitzeugen der Vergangenheit,
machen Geschichte auf der Seite Zeitzeugen lebendig.

1927
Tanzschule in Burweg,
Aufnahme: Gasthof Stegemann.
Bilder Archiv: Hartmut Jungclaus

Vorne (v.l.n.r.): Liesbeth Meier, Hildegargd Hardekopf, Erna Jungclaus, Herta Kraus,
Sieglinde Thomforde, Anne-Marie Stegemann, Hildegard Stegemann, Katharina Hellwege,
Hans-Heinrich Jarck, Peter Holthusen

Hinten: Hinrich Jungclaus, Christian Hagenah, Hermann Meier, Heinrich Tiedemann,
Hans-Heinrich Jarck, N.N., Hermann Tiedemann, August Hölting, Karl Richters, Hans Holthusen

1927
Schulklasse in Burweg

1.Reihe (v.l.n.r.): Heinrich Hagenah, Martin Schütt, Hinrich Jungclaus, Albert Offermann,
Heinrich Tiedemann, Hermann Tiedemann, Karl Richters, Meta Schütt

2. Reihe: Albert Offermann, Klaus Hammann, Christian Hagenah, Hermann Meier,
Sophie Hellwege, Anni Hagenah, Anna Maibohm

3.Reihe: Hermann Richters, Otto Schlichting, Anni Holthusen, Martha Brinkmann,
Anna Helmke, Minna Brinkmann, Hanne Tiedemann, Luise Offermann

4. Reihe: Willi Tiedemann, August Hölting, Lehrer Düwel, Maria Offermann, Anne Hagenah,
Liesbeth Schlichting, Anita Meier, Alwine Hagenah, ? Köster

1931
Konformation in Burweg,

Vorne (v.l.n.r.): Magda Hammann, Anna Heinsohn, Dora Jarck, Anni Hagenah,
Käthe Fiege, Dorte Wichers, Grete Elfers

Hinten: Ernst Junge, Heinrich v Ahn, Hermann Meier, Pastor Gerhard Pape,
Hinrich Jungclaus, Heinrich Tiedemann, Dietrich Tamm

Idylle am Horsterbeck

Schön und idyllisch,
der Horsterbeck

Fischreiches Gewässer mit Meerforelle,
Hecht, Zander und mehr ist ...

geradezu ein Paradies für Angler.

Erste Lachse sind hier auch schon
wieder gesehen worden!

Der Horsterbeck mündet in die Oste,
von der die Fische durch Schleusen
ungehindert “aufsteigen” können.

...und das ist BURWEG-HORST aus der
Vogelperspektive fotografiert am 20.5.2001

Rechts oben der Friedhof
in der Mitte unten
die St. Petri Kirche

Informationen zur
St. Martins Kirche
in Oldendorf finden Sie hier

Besucher seit 04.07.2005

[Besucherzähler]

 

nach oben

Home OsteChronik Team Osteschifffahrt Kleinod der Osteregion Elbe-Weser Links Das Kloster Porta Coeli
Sagen & Märchen Die Madonna von Bossel OsteGalerie Das alte Oldendorf St. Martins Kirche
Wracks der Oste Zeitzeugen Kanuparadies Oste Geschichtsspuren OsteKunst Annas Spuren Elke Loewe
Rainer Brandt Alter Handelsplatz Osten Schwebefähre Osten Hafenerinnerungen Stalag XB Sandbostel
Strom der Dichter Bossel in den Kriegen Erster Weltkrieg Zweiter Weltkrieg Zwergschule in Bossel

Texte und Bilder sind in allen Teilen urheberrechtlich geschützt
Pagedesign, copyright 2005-2010 by Hartmut Jungclaus, OsteCronik.de